Kongress 2014


Vorwort Kongress KVL Göttingen  

25.03.2014

Acht Jahre Kreisverband Göttingen-Northeim, vier Kongresse in dieser Zeit, das ist eine Bilanz, auf die wir sicher ein wenig stolz sein können. Blicken wir aber auf die Entwicklung in diesen Jahren zum Problem der Legasthenie und Dyskalkulie zurück, dann ist auch Empörung und Wut angesagt. Die Meldungen in den Medien - wenn diese denn darüber berichten - sind unverändert. Wir haben weiterhin eine gleichbleibend hohe Zahl von betroffenen Kindern. Die Mühsal, für das eigene Kind angemessene Hilfe und Unterstützung zu erhalten, ist nach wie vor hoch und für Eltern mit geringen finanziellen Möglichkeiten oft vergeblich. Seit Ende 2013 haben wir eine neue Regierung in Berlin. In den Koalitionsverhandlungen wurde viel vereinbart, aber von unserem Anliegen war nirgends die Rede. Die einzige Partei, die sich wenigstens in ihrem Wahlprogramm klar positioniert hat, ist leider im Bundestag nur schwach vertreten. Die gleiche Partei hat auch für die Landtagswahlen in Niedersachsen klare Aussagen im Interesse der Betroffenen formuliert, leider fand das Thema aber weder Eingang in die Koalitionsverhandlungen noch in das Regierungsprogramm. Um so spannender wird es sein, was die neue nds. Kultusministerin bei der Podiumsdiskussion auf unserem Kongress am Freitag Abend zu diesem Thema zu sagen haben wird  und welchen Beitrag die Schulen mit Unterstützung des Ministeriums dazu leisten werden.
„Verwandelt eure Wut in Energie!“ So oder so ähnlich lautete ein Slogan der längst vergangenen 68er-Bewegung, die ja immer noch einige von uns politisch geprägt hat. Und dieser Slogan ist genau ein Motiv für die Arbeit, die wir in die Planung dieses Kongresses stecken. Die wachsende Beteiligung an den letzten drei Kongressen hat uns ermutigt weiterzumachen.  Wir fordern die Politik unverdrossen auf, sich diesem wichtigen gesellschaftspolitischen Thema zu stellen. Wir zeigen aber auch auf, welche Entwicklungen es in der medizinischen und pädagogischen Forschung in den letzten Jahren gegeben hat, welche Hilfestellungen für Eltern, Lehrer und Therapeuten sich daraus ergeben oder ergeben könnten. Dazu finden sich wieder zahlreiche Vorträge und vor allem Workshops von bekannten und bislang noch weniger bekannten Referentinnen und Referenten. Neben bekannten und immer wieder aktuellen Themen haben wir diesmal neu die Problematik der Lese-Rechtschreibschwäche im Englischunterricht sowie das Thema „Schreibschrift versus Druckschrift“. Auch das Thema Inklusion hat natürlich viele Überschneidungen zu Legasthenie und Dyskalkulie. Alle diese Aspekte gehören zu unserer unsere Fragestellung:
Was ist nachhaltiger als Kinder?
Wir laden Sie alle wieder herzlich ein, sich an unserem 4. Göttinger Legasthenie- und Dyskalkuliekongress zu beteiligen.

Harald Schmidt    Vorsitzender KVL Göttingen-Northeim

Nachlese 2014

Bericht über den 4. Göttinger Kongress „Was ist nachhaltiger als Kinder?“

Der Kreisverband Göttingen-Northeim rief am 10. und 11. Oktober 2014 zum 4. Kongress und alle kamen:
Mit 230 Teilnehmern und 24 Referenten in fast 40 Vorträgen und Workshops an der IGS Göttingen, war dies die bisher erfolgreichste Göttinger Fachtagung zu den Herausforderungen von Legasthenie und Dyskalkulie.
Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der Kreisverband in Form eines Appells an die Göttinger Landtagsabgeordneten, Bundestagsfraktionen und Niedersächsischen Landtagsfraktionen  Forderungen in der öffentlichen Presse zur Unterschriftensammlung verfasst, welche sich auf die Verbesserung bezüglich der Gesetzgebung des § 35a KJHG, des zu gewährenden Nachteilsausgleichs und Notenschutzes und einer qualifizierten staatlichen Ausbildung für Lerntherapeuten bezogen.
Gleich am Freitag, den 10.10.14  im Eröffnungsvortrag von Herrn Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, konnten sich die Besucher dann über die aktuelle Expertise im Bereich der Effizienz von Interventionen zur Förderung des Lesens und Schreibens informieren. Vor dem Hintergrund  neurowissenschaftlicher Studien erläuterte Herr Prof. Schulte-Körne sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen legasthenen Problemen und den Abläufen in den Gehirnprozessen sowie deren Behandlungsevidenz. Auditive Förderprogramme und Trainingskonzepte auf Silbenbasis bieten hiernach die besten Erfolgsmöglichkeiten.
Der den Folgetag des Kongresses einführende Vortrag von Frau Prof. Dr. Claudia Mähler informierte dann vor dem hochinteressierten Publikum über erstaunliche Zusammenhänge zwischen den Leistungen des Arbeitsgedächtnisses und Teilleistungsstörungen. Lernstörungen hängen demnach mit spezifischen abgrenzbaren Arbeitsgedächtnisproblemen zusammen und deren Diagnose hilft  Ursachen von Dyskalkulie und Legasthenie zu verstehen und somit bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.
Eingerahmt wurde der Kongress durch die tollen Musikbeiträge des Schulorchesters, einem von der Schulküche gut ausgerichteten Catering mit kalten und warmen Speisen und Getränken, einem witzigen Sketchduo sowie verschiedenen Verlags- und Infoständen.
Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns nochmals sehr herzlich beim BVL für das umfangreich und großzügig zur Verfügung gestellte Info-Material bedanken. Fast alles konnte unter die interessierten Besucher verteilt werden.
Die ausgewerteten Evaluationsbögen dokumentierten dann darüber hinaus höchste Zufriedenheit über die dargebotenen Workshops und Vorträge bei allen Teilnehmern, so dass der nächste Kongress in Göttingen für 2016 beim Vorstand bereits in Planung ist.

Ellen Prinz-Burghardt


  • Kreisverband Legasthenie-Dyskalkulie Göttingen-Northeim e.V.

    Reinholdstraße 6
    37083 Göttingen