Kongress 2010


BVL-Kongress Göttingen 2010

-Es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich freue mich, dass so viele gekommen sind, denn das zeigt, wie wichtig unser Thema ist.
Trotzdem fehlen auch einige, die uns als Veranstalter wich-tig gewesen wären. Einen vermissen wir alle besonders!
Noch vor zwei Jahren hat Herr Prof. Friedrich Specht hier an dieser Stelle den 1.Göttinger Kongress zur Le-gasthenie und Dyskalkulie eröffnet.
Sie haben es vermutlich alle schon längst erfahren und ich muss es Ihnen leider noch einmal bestätigen:

Am 27.01.2010 wurde Herr Prof. Friedrich Specht mitten aus seiner Schaffenskraft gerissen. Im stolzen Alter von 85 Jahren war Herr Prof. Specht noch immer voller Tatendrang und ist vielen Aufgaben nachgegangen.

All die Verdienste von Friedrich Specht um die Förderung der Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuzählen oder gar zu würdigen würde einige Zeit beanspruchen. Ich bin mir aber mit den anderen Organisatoren dieses Kongresses darin einig: Es wäre ganz in seinem Sinne, wenn wir unseren kurzen Arbeitstag auf die Aufgaben verwenden, die wir uns für heute vorgenommen haben. In der Mitgliederzeitschrift des BVL finden alle, die es nachlesen möchten, einen aus-führlichen Nachruf.

Da Friedrich Specht aber in unserer Stadt studiert und ge-lehrt hat, möchte ich ergänzend doch einige persönliche Er-innerungen anfügen:
Als Beratungslehrer an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, der IGS Göttingen-Geismar, habe ich ihn das erste Mal kennengelernt.Seit Gründung der Schule vor 35 Jahren leitete er dort eine Supervisionsgruppe für Lehrer und Sozialpädagogen, die sog. Pool-AG. Es war für mich immer wieder beeindruckend, mit wie viel Fachkenntnis und Einfühlungsvermögen er uns Lehrer bei der Beratung über Schüler mit Lern- und Verhaltensstörungen unterstützte. Besonders beeindruckte mich, wenn er bei der Besprechung einzelner Fälle kurz überlegte und dann daran erinnerte, dass wir vor vielen Jahren schon einmal über dieses Kind gesprochen hatten. Erlieferte dann auch sogleich präzise Erinnerungen nach. Noch im Januar fand die letzte Sitzung statt, und Friedrich Specht bereitete sich auf die Arbeit mit einem dort vorgestellten Schüler vor. Das muß jetzt leider jemand anders übernehmen.

Die Gründung unseres Kreisverbandes unterstützte er von Anfang an tatkräftig. Er nahm an fast allen Mitgliederver-sammlungen teil und auch an einigen Vorstandssitzungen in beratender Funktion, und das neben all den anderen Aufgaben, die er regelmäßig wahrnahm.

Sie werden sich erinnern, dass Friedrich Specht hier auf dem Podium gemeinsam mit mir als Kreisvorsitzendem den 1. Göttinger Kongress eröffnete. Wie Sie alle wissen oder nachlesen können, war ihm das Thema der Lese- und Rechtschreibstörungen besonders wichtig. Aber noch im Al-ter von 83 Jahren war er daran interessiert, auch etwas über die Dyskalkulie zu erfahren, - beides bezeichnete er beharrlich mit dem inzwischen anerkannten Fachterminus der umschriebenen Entwicklungsstörungen. Jedenfalls hatte ich vor zwei Jahren auf unserem Kongress das be-sondere Vergnügen, ihn als Teilnehmer in meinem Work-shop über Dyskalkulietherapie begrüßen zu dürfen.

Lassen Sie mich diesen kurzen Nachruf beenden mit den Worten, die wir für die Traueranzeige unseres Verbandes in der Göttinger Tageszeitung gewählt haben:

Wir erinnern uns in großer Dankbarkeit  an
Prof. Friedrich Specht.
Sein persönliches Engagement, seine umfassende fachliche Kompetenz, sein respektvoller Umgang mit al-len Menschen, seine freundliche Beharrlichkeit und sein stiller Humor werden uns sehr fehlen.

Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie
Landesverband Niedersachsen
Kreisverband Göttingen-Northeim

Ich möchte Sie bitten, sich jetzt für eine Minute des Geden-kens von Ihren Plätzen zu erheben!

Gedenkminute  
Wir haben für unseren heutigen Kongress bewußt ein sehr modernes Wort gewählt: Nachhaltigkeit. Ein Wort aus der Ökonomie wie aus der Ökologie. Nachhaltig ist das was langfristige Auswirkungen hat. Und daher passt es so gut zu unserem Thema Legasthenie und Dyskalkulie. Um es mit dem von Friedrich Specht formulierten Begriff zu sagen: Umschriebene Lernentwicklungsstörungen haben über einen langen Zeitraum Auswirkungen:
Wenn sie nicht grundlegend bearbeitet werden - sprich the-rapiert, dann haben sie Auswirkungen auf die individuelle Zukunft der betroffenen Kinder, und gewiss keine positiven. Darüber werden sie heute in einem workshop mehr erfahren. Solche Auswirkungen alleine rechtfertigen schon, dass etwas getan werden muss, die Wahrung der Menschenwür-de unserer Kinder  ist ein hohes Ziel unserer Kultur.
Aber die Auswirkungen von Lernstörungen sind nicht nur individuelles Schicksal, sie sind auch ein bestimmendes Moment unserer gesamtgesellschaftlichen ökonomischen Entwicklung. Daher sehen wir diese Gesellschaft in einer doppelten Verpflichtung, sich des Themas anzunehmen. Wie das geschehen könnte, dazu haben wir einen weitge-reisten Referenten gewonnen, Herrn Prof. Leo Blomert  von der Uni Maastricht, der uns im Eingangsreferat darüber be-richten wird, wie unser Nachbarland Niederlande sich des Thenmmas anbnimmt.
Möglicherweise erleben wir danach ein Kontrastprogramm, wenn Frau Prof. Langenfeld aus Göttingen über die Rechte von Kindern mit Teilleistungsschwächen in Deutschland re-feriert. Sie knüpft dabei an ein Gutachten an, welches sie vor einigen Jahren im Auftrag unseres Bundesverbandes erstellt hat. Wir dürfen gespannt darauf sein, ob sich seit-dem etwas getan hat.

In der Pause haben sie Gelegenheit, sich an einigen Info-ständen zu informieren. Bei der  Vorbereitung dieses Kon-gresses war ich kurz in der Versuchung, ein langes State-ment über die Bildungspolitik in unserem Lande abzugeben. Ich vermute aber, dass Ihnen vieles davon bekannt ist, sonst wären Sie auch keine Teilnehmer an diesem Kon-gress. Stattdessen möchte ich sie nur auf einen Infostand hinweisen, den Stand der Bürgerinitiative Volksbegehren für eine bessere Bildung. Ganz zufällig haben wir auch heute den Tag des Volksbegehrens.
Möglicherweise finden Sie auch noch andere interessante Informationen an den Tischen in der Eingangshalle..

Vergessen Sie aber bitte auch nicht, sich in der Pause für die workshops am Nachmittag zu stärken. Dazu stehen Ihnen die Mitarbeiter des Kiosk hier im Otto-Hahn-Gymnasium zur Verfügung.
Jetzt darf ich Ihnen noch kurze Grüße ausrichten

  • Von der Stadt Göttingen, vertreten durch Ludwig Hecke, dem Schul - und Jugenddezernenten,
  • Von unserer Bundesvorsitzenden Frau Szgiel
  • Von unserem Landesvorsitzenden Herrn Espeter 
  • und von Frau Engel, der Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums als unserer Gastgeberin.

Alle verzichten bewußt auf ein eigenes Grußwort, damit un-sere Zeit für inhaltliche Arbeit genutzt werden kann. Herrn Hecke werden sie auf jeden Fall im Lauf der Podiumsdis-kussion noch kennen lernen und sicher auch befragen kön-nen.
Da die workshops alle inhaltlich angekündigt wurden und die meisten von Ihnen sich ja auch schon entschieden haben, muss ich sie nicht noch einmal ankündigen.
Sie stehen alle unter den Themen, die wir als Aufgaben für unseren Verband ansehen:

  • Hilfen für betroffene Kinder, deren Eltern und Lehrer,
  • Fragen an Wissenschaft, Politik, und Schulverwaltung.
  • Die Fragen an Politik und Schulverwaltung , die möglicher-weise sehr kritisch ausfallen werden, bilden dann auch den Schwerpunkt unserer abschließenden Podiumsdiskussion.

Wieviel Legasthenie und Dyskalkulie können wir uns leisten?

Noch ein abschließendes Wort in eigener Sache:
Jeder Interessenverband ist so stark wie seine Mitglieder. Unser Interesse sind unsere Kinder. Sie als Teilnehmer die-ses Komgresses sind daher alle herzlich eingeladen, unse-ren Verband in der Wahrnehmung seiner Aufgaben zu stär-ken, indem sie nicht nur unsere Veranstaltungen besuchen sondern auch bei uns Mitglied werden.

Ich wünsche allen einen erfolgreichen Kongress.

Harald Schmidt
Vors. KV Göttingen-Northeim


  • Kreisverband Legasthenie-Dyskalkulie Göttingen-Northeim e.V.

    Reinholdstraße 6
    37083 Göttingen