Kongress 2008


1. Göttinger Legasthenie - und Dyskalkulie-Kongress

Mit mehr als 150 Teilnehmern trotz strahlendem Sommerwetter war der Kongress außer-ordentlich gut besucht.
Das Göttinger Tageblatt hatte dankenswerterweise den Kongress im Rahmen eines sehr engagierten Berichtes über einen konkreten, aber anonymisierten Fall einer 18-jährigen Schülerin mit sehr spät erkannter Dyskalkulie angekündigt.

Nach Grußworten von Prof. Friedrich Specht, langjähriges Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des BVL, referierten Prof.Gerald Hüther, Neurobiologe aus Göttingen, Anette Heinisch, Rechtsanwältin aus Uelzen und nochmals Prof. Specht.
Hüther erteilte in seinem sehr lebendigen Vortrag allen Hoffnungen eine Absage, dass Legasthenie und Dyskalkulie auf genetische Ursachen zurückzuführen seinen und damit ein gutes Alibi für unzureichende oder fehlende Vorsorge und Therapie bieten würden.
Frau G. Heinisch, betroffene Mutter und gleichzeitig beruflich mit dem Thema befasst, schilderte sehr eindringlich ihre Erfahrungen mit Schule und Kultusbürokratie und plädierte dafür, Rechte von betroffenen Kindern bis vor Bundesgerichten einzuklagen. Ihr Unterstützungsangebot an Eltern hat bereits zu zahlreichen Nachfragen in ihrer Anwaltskanzlei geführt.  Diese Darstellung der Auseinandersetzungen löste bei so manchem der anwesenden Lehrer zwar Verwunderung aus, dennoch zeigten gerade sie ja durch ihre Teilnahme die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern beim Thema Legasthenie und Dyskalkulie.
In den fünf Workshops am Nachmittag stieß besonders das Thema Rechtsfragen unter Leitung des LVL-Vorsitzenden Friedhelm Espeter auf reges Interesse. Espeter setzt da-bei einen anderen Akzent als Frau Heinisch und plädiert stärker dafür, die Möglichkeiten des Erlasses über Kinder mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen im Sinne der Schüler zu nutzen. Dafür bietet der Landesverband über seine Internetseite auch konkrete Hilfen in Form von Antragsvordrucken.
Den Abschluss des Kongresses bildete eine sehr spannende und gleichzeitig entlarven-de Podiumsdiskussion über die politische Verantwortung bei Legasthenie und Dyskalkulie. Die anwesende Vertreterin des Kultusministeriums machte deutlich, dass der Schulerlass gar nicht Kinder mit Lernstörungen betreffe, sondern nur solche mit Lernschwierigkeiten. Der Vertreter des Göttinger Jugendamtes wiederum wies darauf hin, dass der § 35a im Sozialgesetzbuch auch nur die Zuständigkeit bei psychischen Störungen regele, nicht aber per se bei Lernstörungen. Alle Beteiligten beklagten die widersprüchlichen und zuzureichenden gesetzlichen Regelungen und meldeten Handlungsbedarf an. Es bleibt Aufgabe des BVL, diesen Handlungsbedarf weiter nach-haltig bei der Politik einzufordern.
Der Vorstand des KV Göttingen-Northeim hat sich nach diesem vielbeachteten Kongress vorgenommen, in zwei Jahren im Rahmen eines weiteren Kongresses kritische Bilanz über die erreichten Fortschritte zu ziehen.


  • Kreisverband Legasthenie-Dyskalkulie Göttingen-Northeim e.V.

    Reinholdstraße 6
    37083 Göttingen