Zum Antragsverfahren beim Jugendamt


1. Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII beim zuständigen Jugendamt stellen!
Das Antragsformular gibt es beim Jugendamt, man kann es sich auch zuschicken lassen. Eltern und Lehrerin müssen jeweils einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen.
Zuständig für die Bearbeitung ist beim Landkreis Göttingen Frau Hobrecht, Tel. 0551 525-309 und bei der Stadt Göttingen Frau Szagun, Tel. 0551 400-2922.

2. Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt und beim Augenarzt vereinbaren!
Es muss festgestellt werden, dass die Ursache für die Lese-Rechtschreibprobleme nicht eine unbehandelte Seh- oder Hörstörung ist. Das Jugendamt fordert eine Bescheinigung von beiden Ärzten, die nicht älter als 6 Monate sein sollte.

3. Sind alle Unterlagen eingereicht, so warten die Eltern auf einen Termin  bei der Fachstelle Diagnostik in Göttingen, Gothaer Platz 1, wo das Kind in jedem Fall vorgestellt werden muss. Die Fachstelle überprüft, ob eine Legasthenie/Dyskalkulie vorliegt und ob die Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch das Jugendamt erfüllt sind.

Von den Jugendämtern werden Gutachten von zwei weiteren Stellen anerkannt. Diese sind:
a.) Therapie- und Beratungszentrum (TBZ)
    Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
    Käte-Hamburger-Weg 4 37073 Göttingen Tel. 0551 39-22081
 b.) Sozialpädiatrisches Zentrum Göttingen (SPZ)
    Robert-Koch-Straße 40  37075 Göttingen  Tel. 0551 39-10358

Gutachten und Tests von niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie  werden bei der Fachstelle mittlerweile manchmal teilweise anerkannt und einbezogen. Die Adressen und Telefonnummern der Fachärzte sind im Telefonbuch zu finden.
 
Bestandteile der Diagnostik sind:    
- Intelligenztest
- Lese-Rechtschreib bzw. Rechentest
- Überprüfung der seelischen Gesundheit

Insbesondere für diesen letzten Teil werden Gespräche mit den Eltern und dem Kind, aber auch die Fragebögen herangezogen. Dieser Diagnostik-Teil wird nur von der Fachstelle im Auftrag der Jugendämter durchgeführt.

Die Fachstelle erstellt einen Bericht für das Jugendamt. Diesem obliegt die letzte Entscheidung.

SGB 8 Ausfertigungsdatum: 26.06.1990  es gibt eine Neufassung vom 1.10.2006
Zweiter Unterabschnitt

Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
§ 35a Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche

(1) 1Kinder oder Jugendliche haben Anspruch auf Eingliederungshilfe, wenn
1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht, und
2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist.
2Von einer seelischen Behinderung bedroht im Sinne dieses Buches sind Kinder oder Jugendliche, bei denen eine Beeinträchtigung ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.
3 § 27 Abs. 4 gilt entsprechend.

(1a) 1Hinsichtlich der Abweichung der seelischen Gesundheit nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 hat der Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Stellungnahme
1. eines Arztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
2. eines Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder
3. eines Arztes oder eines psychologischen Psychotherapeuten, der über besondere Erfahrungen auf dem Gebiet seelischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen verfügt,
Einzuholen.
2Die Stellungnahme ist auf der Grundlage der Internationalen Klassifikation der Krankheiten in der vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information herausgegebenen deutschen Fassung zu erstellen.
 3Dabei ist auch darzulegen, ob die Abweichung Krankheitswert hat oder auf einer Krankheit beruht.
4 Die Hilfe soll nicht von der Person oder dem Dienst oder der Einrichtung, der die Person angehört, die die Stellungnahme abgibt, erbracht werden.

(2) Die Hilfe wird nach dem Bedarf im Einzelfall
1. in ambulanter Form,
2. in Tageseinrichtungen für Kinder oder in anderen teilstationären Einrichtungen,
3. durch geeignete Pflegepersonen und
4. in Einrichtungen über Tag und Nacht sowie sonstigen Wohnformen geleistet.

(3) Aufgabe und Ziel der Hilfe, die Bestimmung des Personenkreises sowie die Art der Leistungen richten sich nach § 53 Abs. 3 und 4 Satz 1, den §§ 54, 56 und 57 des Zwölften Buches, soweit diese Bestimmungen auch auf seelisch behinderte oder von einer solchen Behinderung bedrohte Personen Anwendung finden.

(4) 1 Ist gleichzeitig Hilfe zur Erziehung zu leisten, so sollen Einrichtungen, Dienste und Personen in Anspruch genommen werden, die geeignet sind, sowohl die Aufgaben der Eingliederungshilfe zu erfüllen als auch den erzieherischen Bedarf zu decken.
2 Sind heilpädagogische Maßnahmen für Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, in Tageseinrichtungen für Kinder zu gewähren und lässt der Hilfebedarf es zu, so sollen Einrichtungen in Anspruch genommen werden, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden.


  • Kreisverband Legasthenie-Dyskalkulie Göttingen-Northeim e.V.

    Reinholdstraße 6
    37083 Göttingen